Vom Zügel-Zuppeln zur echten Harmonie: Warum wir Reit-Paraden neu denken müssen

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1. Der Mythos der Parade: Einleitung und Problemstellung

In der klassischen Reitlehre gilt die Parade als das zentrale Werkzeug der Hilfengebung. Theoretisch beschreibt sie ein harmonisches Zusammenspiel aus Sitz, Gewicht, Schenkel- und Zügelhilfen, das die Aufmerksamkeit deines Pferdes steigert und seine Balance verbessert. Doch in der Reitbahn sieht die Realität oft anders aus.

Anstatt feiner Abstimmung erleben wir häufig ein handlastiges „Zupfen“ oder gar ein Ziehen am Zügel. Der Begriff „Parade“ wird in der Praxis oft auf die Einwirkung der Hand reduziert, was zu Frustration auf beiden Seiten führt.

„Warum wird mein Pferd fest im Genick und unzufrieden, wenn ich doch eigentlich nur eine Parade geben wollte?“

Dieses Missverständnis beginnt meist bei der Definition: Wir verstehen die Parade oft als einseitigen Befehl („Parieren!“), anstatt sie als gemeinsame Abstimmung zu begreifen.

2. Warum Worte unsere Reitweise formen

Die Sprache, die wir im Sattel verwenden, beeinflusst direkt unsere körperliche Umsetzung. Der Begriff „Parade“ wird oft mit einem aktiven, bremsenden Eingriff gleichgesetzt. Das führt zu einer ungesunden Fokussierung auf die Handarbeit.

Ich habe in unzähligen Reitstunden diesen typischen „Ouch-Moment“ beobachtet: Sobald das Kommando „halbe Parade“ fällt, fangen viele Reiter reflexartig an, an den Zügeln zu zuppeln. Sie hoffen, das Pferd so auf die Hinterhand zu setzen. Doch das Ergebnis ist das Gegenteil von Harmonie.

Die negativen Folgen dieser handlastigen Einwirkung sind deutlich spürbar:

  • Unruhe im Maul: Dein Pferd versucht, dem punktuellen, harten Druck zu entgehen.
  • Verspannung der Oberlinie: Durch das Ziehen blockiert der Rücken, und die so wichtige Losgelassenheit geht verloren.
  • Verlust der Balance: Dein Pferd kann sich nicht mehr selbst tragen, kommt auf die Vorhand und gerät aus dem Takt.
  • Widerstand und Unwillen: Anstatt vertrauensvoll mitzuarbeiten, reagiert dein Pferd mit Gegenwehr oder einer starren, hölzernen Anlehnung.

Wenn du dich zu sehr auf die Zügel verlässt, verlierst du die Verbindung zu deinem Sitz und deiner Atmung – den eigentlichen Schlüsseln zur feinen Kommunikation.

3. Vom Befehl zum Dialog: Eine neue Perspektive

Um echte Leichtigkeit zu erreichen, müssen wir die Hilfengebung als einen zweiseitigen Dialog begreifen. Du sendest eine Botschaft, wartest auf die Antwort deines Pferdes und reagierst darauf. In diesem Dialog-Modell haben die Hilfen klare Rollen:

  • Sitz und Gewicht: Das Fundament. Durch subtile Gewichtsverlagerungen sendest du klare Signale, ohne den Bewegungsfluss zu stören.
  • Schenkel: Der motivierende Impuls, der die Hinterhand aktiviert und dein Pferd zur Aktion einlädt.
  • Hand: Die begleitende Wahrnehmung. Sie ist kein führendes Mittel, sondern fühlt mit und bleibt passiv-annehmend.

Die feinste Form dieser Kommunikation ist die „Rückfrage“. Hier nutzt du kaum sichtbare Signale, um die Bereitschaft deines Pferdes zu prüfen. Eine Rückfrage kann ein feines Anspannen deiner Bauchmuskulatur, eine minimale Gewichtsverlagerung oder ein kaum merkbarer Schenkeldruck sein. Du fragst ganz leise: „Bist du bei mir? Kannst du mir folgen?“

4. Exklusiver Einblick: Die Kunst der Rückfrage in der Praxis

Damit du diesen Dialog direkt im Stall ausprobieren kannst, habe ich dir einen „Sneak Peek“ aus meinem Konzept zusammengestellt. Diese Übung hilft dir, Übergänge rein über Sitz und Atmung zu gestalten.

Übung: Übergänge über Sitz und Atmung (Schritt – Trab – Schritt)

Das Ziel ist es, dein Pferd so zu sensibilisieren, dass Zügelhilfen für den Übergang überflüssig werden.

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„Feines Reiten: Vom Mythos der Paraden zu echter Harmonie“ Paraden sind ein zentraler Bestandteil der klassischen Reitlehre – und doch werden sie oft ...

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  1. Im Schritt starten: Reite mit losgelassenem Sitz. Deine Zügel liegen weich in der Hand und begleiten passiv den Takt der Kopfbewegung.
  2. In den Trab übergehen: Werde „größer“ im Oberkörper. Hebe deinen Brustkorb an und spanne sanft deine Bauchmuskeln an (ohne fest zu werden). Atme bewusst tief ein und gib einen leichten Impuls mit dem Schenkel.
  3. Den Trab aufnehmen: Lass deine Hüfte weich mitschwingen und halte die Verbindung in den Zügeln leicht und federnd.
  4. Übergang zurück in den Schritt: Bringe deinen Körper in eine entspannte Position. Mache deinen Sitz „schwerer“, indem du dein Becken leicht nach unten senkst und deine Bauchmuskeln bewusst lockerst. Deine Schenkel bleiben ruhig. Unterstütze dieses Signal durch ein langes, ruhiges Ausatmen.

Wichtige Hinweise:

  • Keine Rücklage: Vermeide es, dich nach hinten zu lehnen. Bleibe zentriert und aufrecht.
  • Timing: Gib deinem Pferd Zeit, die Einladung zur Versammlung zu verstehen. Es ist eine Rückfrage, kein abrupter Stopp-Befehl.
  • Passivität der Hand: Die Hand ist während des gesamten Übergangs rein annehmend, niemals aktiv einwirkend oder ziehend.

5. Warum dieses Wissen in deine Hosentasche gehört

Die Übung oben ist erst der Anfang deiner Reise zu einer völlig neuen Verbindung. Wenn du erst einmal spürst, wie dein Pferd auf dein bloßes Ausatmen oder das Lockern deiner Körpermitte reagiert, wird Reiten zu einem Tanz auf Augenhöhe.

Damit du diesen Weg konsequent weitergehen kannst, ist mein Handy-Book/PDF dein idealer „Taschencoach“. Es ist so gestaltet, dass du es direkt am Stall auf dem Smartphone nutzen kannst, um dein Training sofort zu verfeinern. Im Blogpost konnten wir das Thema nur anreißen, aber im Buch warten exklusive Inhalte auf dich, die du nicht verpassen solltest:

  • Handunabhängiges Reiten in der Lösungsphase: Wie du dein Pferd dazu bringst, sich vertrauensvoll an das Gebiss heranzudehnen, ohne dass deine Hand „einlädt“.
  • Die verfeinerte halbe Parade: Das perfekte, sekundenschnelle Zusammenspiel von Atem- und Schenkelimpulsen für maximale Durchlässigkeit.
  • Selbsthaltung fördern: Strategien, damit dein Pferd lernt, sich selbst zu tragen, anstatt sich auf deine Hand zu stützen.

Hör auf mit dem Zügel-Zuppeln und gönn dir und deinem Pferd das Wissen, das eure Kommunikation für immer verändern wird.

Abschlusswort von Cathryn

Das Schwierigste in der Reitkunst ist es, wirklich in Harmonie und Leichtigkeit mit dem Pferd zu arbeiten. Es erfordert nicht nur feines Reiten, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Sprache des Pferdes. Der Weg dorthin beginnt, wenn wir lernen, die Hilfen als einen Dialog zu verstehen und uns von der Dominanz der Hand zu lösen.

Dieser Weg mag anspruchsvoll sein, aber er führt zu einer echten Partnerschaft zwischen Reiter und Pferd – geprägt von Respekt, Vertrauen und Balance. Ich hoffe, dass dieser Text dir Inspiration bietet, dich auf diesen Weg einzulassen und die Kommunikation mit deinem Pferd auf eine neue Ebene zu bringen.

Viel Freude und Geduld auf deinem Weg zu Harmonie und Leichtigkeit,

Deine Cathryn. 

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